gaspar
Senior Boarder
Beiträge: 52
|
|
harte strafe oder tolle Belohnung vor 1 Jahr, 7 Monaten
|
Karma: 0
|
|
Es ist manchmal sehr bitter, das Theater ums Üben. Ich denke oft, dass es gar nicht ums Üben geht, oder das Wollen/ nicht Wollen. Gestern wurde gestrichene 90 minuten HYSTERISCH getobt wegen nicht üben wollen. Aber als endlich angefangen wurde, haben wir doch etwas geschafft. Tochter soll im Sommer auf einer Freizeit fahren aber tobt sie noch mals dermassen wegen üben( oder Hausaufgaben) gibt es harte Konsequenzen der Freizeit betreffend. Sie kriegt noch 3 Chancen. Punkt. In Juli soll sie ihr Vortrag-Stück 3 mal aufführen: Ihre Lehrerin macht 2 Vorspiel Konzertchen und dann soll sie es auch in einer Vorspiel KOnzert an ihrer Schule spielen. Hört sich ein bisschen heftig an vielleicht, aber in der Schule ist es eine locker gelgenheit. Vielleicht erlaube ich es ihr eine jeans und zerschlissene T-shirt anzuziehen, an statt "steife Konzertgarderobe". Naja, wir habe ausgemacht als Belohnung kriegt sie ein Roller, was sie sich sehr wunscht. Bedingung: Sich ehrlich zu bemühen, mich nicht beim Üben dauernd voll zu meckern und absichtlich schlecht spielen, und ihre Fehler zu verbannen. Es soll kein "Drillen" sein, aber meine Gute, ich glaube der Sinn von Üben ist sich zu bessern, und Gutes zu festigen. Ich finde die Belohnung Toll, aber ich wünschte mir einfach dass sie etwas kooperativer wäre. Immerhin hat sie es ziemlich gut auswendig gelernt. Es geht um Seitz op. 13. Ich freue mich auf neues danach!
Viel Spass im Übezimmer!
Gaspar
|
|
|
|
Gespeichert
|
|
|
Kein öffentlicher Schreibzugriff erlaubt, bitte erst registrieren!
|
|
|
|
Aw: harte strafe oder tolle Belohnung vor 1 Jahr, 7 Monaten
|
Karma: 2
|
|
Hallo Gaspar,
ja, das leidige Thema Üben... Wir haben auch regelmäßig Phasen, in denen es nur Streß und Streit dabei gibt und weder ich noch mein Sohn Lust dazu haben. Und ich gebe Dir recht, es geht dabei meist gar nicht wirklich ums Üben, sondern diese Streitsituation wird ganz schnell zur Gewohnheit. Beide reagieren immer gleich, ein Wort gibt das andere, es ist wie ein Ritual.
Strafen und Belohnungen helfen da bei uns nicht weiter - sie machen eher alles noch schlimmer. Auch "große" Belohnungen oder Strafen haben nicht wirklich motiviert und nur noch mehr Druck erzeugt.
Was viel besser hilft, ist, mal aus dem gewohnten Streit auszubrechen, mal etwas anderes zu tun, sich mal ungewöhnlich zu verhalten. Meist laufen die Streitigkeiten doch immer gleich ab: Oft könnte ich ein Tonband vom Vortag mitlaufen lassen, weil sowohl mein Sohn als auch ich sich so wie so genau gleich verhalten, der "übliche Streit" eben. Und wenn ich etwas ganz anderes tue, gebe ich uns beiden die Chance, sich anderes zu verhalten und aus dem alten Muster, der gelernten Rolle auszubrechen. Hier ist Kreativität gefragt. Manchmal hilft eine Kleinigkeit: Ich bin beim Üben meines Sohnes z.B. immer dabei, (er ist erst sechs). Wenn ich den Aufruf zum Üben dann mit "Du übst heute mal allein und übst was Du willst" beginne und dann den Raum verlasse, ist er erstmal verblüfft. Er übt vielleicht nicht sofort, aber ich halte mich dann auch da raus und irgendwann fängt er an und entwickelt auch Freude am Üben. Wenn ich dann irgendwann dazukomme und ihn lobe und bitte, mir einmal etwas vorzuspielen und dann aber auch darauf achte, einfach nur zuzuhören und nicht zu kritisieren, damit dieses Üben ein wirklich positives Erlebnis für uns beide wird, ist das sehr viel Wert. Es gibt uns beiden die Chance, uns anschließend nicht mehr immer nach dem alten Muster zu verhalten.
Manchmal muss man auch kreativer sein und ungewöhnlichere Wege gehen. Wie wäre es zum Beispiel mal mit einem ÜberVERBOT für ein paar Tage? Vielleicht vermisst Deine Tochter ihre Geige ja ganz schnell! Wir haben zum Beispiel mal so ins Üben gestartet, dass ich die Geige genommen und meinen Sohn gefragt habe, was ich üben soll und ihn gebeten habe, mich zu verbessern. Du musst wissen: Ich kann überhaupt nicht Geige spielen. Er war etwas verblüfft, hat dann aber schnell ein Lied herausgesucht und wir haben beide sehr viel gelacht, weil ich so gar nichts hinbekommen habe. Als wir dann die Rollen gewechselt haben, war die Stimmung viel entspannter, ganz anders als sonst zu Beginn des Übens.
Ich hoffe, Du verstehst, was ich meine und vielleicht fällt Dir etwas ein. Oft kommen solche Ideen ganz spontan (auch im Streit)und die sind meist gar nicht so übel. Mit solchem Verhalten komme ich nicht nur beim Geige üben, sondern auch in anderen immer wieder auftretenden Streitsituationen oft weiter. Das Wichtigste ist doch, dass Du und Deine Tochter den Spaß am Geige Üben wiederfinden.
Liebe Grüße
*Annika*
|
|
|
|
Gespeichert
|
|
|
Kein öffentlicher Schreibzugriff erlaubt, bitte erst registrieren!
|
|
|
|
Aw: harte strafe oder tolle Belohnung vor 1 Jahr, 7 Monaten
|
Karma: 2
|
|
Ich habe auch eine Tochter, die seit 2 1/2 Jahren Geige lernt, allerdings hat sie zuvor ein Jahr Blockflöte auf relativ hohem Niveau gelernt, und macht zusätzlich seit ca. 1 Jahr Klavier. Die Flöte ist dabei natürlich zur Zeit ganz "untergegangen" (was sie im übrigen bedauert - aber 3 Instrumente ist in ihrem Alter definitiv zu viel - sie ist gut 9 1/2).
Was mir auffällt, gaspar, dass deine Tochter bei deinem Anspruch doch relativ zahme Konzerte spielen soll, obwohl sie deiner Aussage nach eigentlich schon andere Lagen spielt.
Ich habe bei meiner Tochter gerade die Stücke immer so gewählt, dass sie in irgendeiner Weise etwas Neues enthalten. Rieding h-moll z.B. hatte sie nach knapp einem 3/4 Jahr Geigelernen gemacht, dafür aber nur den ersten Satz und auch nur ca. die Hälfte, dafür auswendig mit Piano-Begleitung. Die Begeisterung hielt sich sehr in Grenzen, für sie war es langweilig. Erst knapp ein Jahr später hat sie wieder ein längeres Werk gespielt: Dvorak Sonatine, angefangen mit dem Scherzo, dann rückwärts das Larghetto, und das Allegro risoluto, das Mädchen war so begeistert und hat so viel dabei gelernt! Danach folgten direkt Vivaldi a-moll komplett, und Vivaldi g-moll komplett (Suzuki), ungarischer Tanz nr.5 (Ausgabe Klengel) und jetzt spielt sie Mozart Sonate e-moll, Im Hintergrund arbeitet sie an der Biene (Schubert),
daneben lernt sie ganz normal Technik, Etüden, und ganz wichtig viel Duett spielen. Das hebt den Spaß.
Auch bei ihr kommt natürlich ab zu Unlust zum täglichen Üben vor: aber wir haben das Üben als direkt nach dem Mittagessen angesetzt und es dauert ca. 1 Stunde. Mehr ist bei ihr nicht drin (es wird höchstens mehr bei Duett spielen, oder wenn sie mittendrin eine Bastelidee passend zum thema hat ---)
Aber sie hat akzeptieren müssen, Üben muss sein - genau wie Schule. Und seitdem es auf der Geige schon viel gewandter zugeht, hat sie auch immer weniger Übeunlust.
Von großen Belohnungen halte ich nicht viel, Belohnung sollte ja das gekonnte Stück sein.
Und im Großen Rahmen schon Stücke vorplanen, Auftritte , das kann auf einem Kind schon großen Druck erzeugen.Meiner Tochter hat das reine kleine Stückchen spielen aus ihren Lehrwerken gerade als achtjährige gut gepasst, und sie hat enorme Fortschritte machen können, in diesem Alter ist jede Stück - Interpretation ja sowieso nur ein Nachmachen- während die ganzen Wurftechniken, Vibrato, Lagenwechsel usw. Spaß machen, angewendet in kurzen, meist mit zweiter Stimme versehenen Stücken.
Also meine Empfehlung: frage dich selbst und deine Tochter: ist der bisherige Lehrstil passend zu ihrem Charakter, kann man eventuelle motorische Unausgeglichenheit nicht mit mehr "sportlichen" Geigentechniken auffangen, ist die Lehrerin die richtige, sollte man nicht vielleicht doch die Art des Übens ändern (es sollte gar nicht erst zu einer großen Zeitverschiebung des angesetzten täglichen Übens kommen - auch für deine Nerven, und damit die anderen Kinder nicht zu kurz kommen.)
Wie Annika schon anmerkte, ab und zu mal den normalen Übeablauf spontan ändern, allein üben lassen, oder nur Duett spielen - etwas leichtere oder bekannte Stückchen - Oder Vorspiel spielen mit den deinen anderen Kindern, dann kann auch die kleine Klavierspielerin mal was vormachen...
Lass sie auch mal Klavierspielen, vielleicht ist sie ja neidisch auf die kleine schwester, die ein so großes Instrument schon spielen darf .....
|
|
|
|
Gespeichert
|
|
|
shoot for the moon ... even if you miss you will land among the stars (Studentenweisheit)
|
|
|
Kein öffentlicher Schreibzugriff erlaubt, bitte erst registrieren!
|
|
|
|
Aw: harte strafe oder tolle Belohnung vor 1 Jahr, 7 Monaten
|
Karma: 2
|
Als Ergänzung soll der hochgeschätzte Geigenpädagoge Galamian hier zitiert werden:
Die Fanatisierung von Kindern zur Musik ist eine Manipulation, die die spätere Entwicklung des Kindes sehr behindern kann, weil andere Fachgebiete dadurch ausgeblendet werden.
Auch der Übezwang oder die dauernden Vergleiche mit Kindern, die regelmässig üben, sind kinderrechtlich eine psychische Gewalt. Die Musikausübung als Kind stellt insofern grundsätzlich eine problematische Tätigkeit dar.
Solche Manipulationen wie Fanatisierung von Kindern oder der Übezwang oder die dauernde Blossstellung gegenüber Kindern, die regelmässig üben oder auf dem Instrument "besser" sind müssen absolut unterlassen werden, um die psychische Stabilität des Kindes nicht zu gefährden. Das Kind soll nach seinen Gefühlen selber seine Stärken kennenlernen können und selbst entwickeln und nicht dauern ermahnt oder durch Mahnungen und Vergleiche erniedrigt werdenwww.geschichteinchronologie.ch/musik/Gal...violinspiels.htm#6._
|
|
|
|
Gespeichert
|
|
|
shoot for the moon ... even if you miss you will land among the stars (Studentenweisheit)
|
|
|
Kein öffentlicher Schreibzugriff erlaubt, bitte erst registrieren!
|
|
|
|
Aw: harte strafe oder tolle Belohnung vor 1 Jahr, 7 Monaten
|
Karma: 2
|
Als Ergänzung soll der hochgeschätzte Geigenpädagoge Galamian hier zitiert werden:
Die Fanatisierung von Kindern zur Musik ist eine Manipulation, die die spätere Entwicklung des Kindes sehr behindern kann, weil andere Fachgebiete dadurch ausgeblendet werden.
Auch der Übezwang oder die dauernden Vergleiche mit Kindern, die regelmässig üben, sind kinderrechtlich eine psychische Gewalt. Die Musikausübung als Kind stellt insofern grundsätzlich eine problematische Tätigkeit dar.
Solche Manipulationen wie Fanatisierung von Kindern oder der Übezwang oder die dauernde Blossstellung gegenüber Kindern, die regelmässig üben oder auf dem Instrument "besser" sind müssen absolut unterlassen werden, um die psychische Stabilität des Kindes nicht zu gefährden. Das Kind soll nach seinen Gefühlen selber seine Stärken kennenlernen können und selbst entwickeln und nicht dauern ermahnt oder durch Mahnungen und Vergleiche erniedrigt werdenwww.geschichteinchronologie.ch/musik/Gal...violinspiels.htm#6._
|
|
|
|
Gespeichert
|
|
|
shoot for the moon ... even if you miss you will land among the stars (Studentenweisheit)
|
|
|
Kein öffentlicher Schreibzugriff erlaubt, bitte erst registrieren!
|
Sophia
Senior Boarder
Beiträge: 67
|
|
Aw: harte strafe oder tolle Belohnung vor 1 Jahr, 7 Monaten
|
Karma: 2
|
|
Ich habe die Erfahrung gemacht, dass das "Theater ums Üben" nur stattfindet, wenn ihm Raum gegeben wird. Das regelmäßige Üben ohne Theater funktioniert nur, wenn es eine Selbstverständlichkeit für Eltern und Kind ist.
Hier stellt sich dann gleich die Frage wie viel geübt werden soll. 30 Min. sind als selbstverständliche Gewohnheit kein Problem, man kann sie immer einschieben. Man würde ja auch nie auf die Idee kommen seine Zähne nicht zu putzen nur weil man müde ist. So ist es auch mit 30 Min. 90 Min. finde ich da schon kritischer, da man 90 Min. nicht immer mit gutem Gewissen vereinbaren kann.
Nach meiner Beobachtung funktioniert regelmäßiges Üben dann, wenn es von Anfang an selbstverständlich ist. Man macht es einfach. In Musikerfamilien ist das meist kein Problem. Probleme tauchen dann auf, wenn das Kind wenig Interesse am Geigen hat und deutlich länger als 30 Min. üben muss.
@gaspar
Habt ihr es schon mit einem Übeplan probiert.
z.B. das Kind soll 45 Min. tägl. üben. Einen Tag pro Woche ist übefrei. Jeden Tag wird aufgeschrieben wie viel geübt wurde. Wenn mal weniger geübt wurde kann das durch mehr üben an einem anderen Tag ausgeglichen werden. Wurde in der ganzen Woche in Summe mehr geübt, dann gibt es pro 45 Min. einen Fleißpunkt. Bei 16 Fleißpunkten bekommt das Kind seinen Roller.
Nur so als Idee.
|
|
|
|
Gespeichert
|
|
|
Kein öffentlicher Schreibzugriff erlaubt, bitte erst registrieren!
|
|