Annette
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Sollen Eltern das Üben beaufsichtigen? vor 6 Jahren, 3 Monaten
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Hallo,
ich melde mich mal wieder, nachdem ich hier neulich schon so interessante und hilfreiche Antworten bekommen habe. Eigentlich ist dies die Fortsetzung meines anderen Beitrags oben (Suzuki..)
Also, ich war neulich bei einer Unterrichtsstunde meines Sohnes dabei und finde, daß die Lehrerin ihre Sache sehr gut macht. Sie hat meine Sohn viel gelobt (der braucht das) und er war vollkonzentriert bei der Sache.
Nun wechselt das bei ihm, das merke ich selbst beim Üben.
Ich übe immer mit ihm zusammen, 10-15 Minuten + einiges "Drumherum".
Jetzt frage ich mich, ob es vielleicht besser wäre, wenn ich mich stärker zurückhalten würde. Denn natürlich achte ich auch auf alles, was die Lehrerin wichtig findet: Bogenhaltung (krummes Däumchen, kleiner Finger, Ellbogen...)
Jetzt wird auch die linke Hand wichtig, denn nun lernt mein Sohn die "Rufterz", und hier gibt es auch viele Aspekte, auf die er beim Üben achten soll (bei der Stunde war ich dabei). Er macht das auch schon sehr hübsch. Ich habe allerdings bisher immer korrigiert, wenn die Intonation nicht ganz gestimmt hat. Wenn er sich Mühe gibt, intoniert er sehr gut, aber nun scheine ich ihn zu nerven. Anscheinend habe ich zu oft korrigiert. Ich kann verstehen, daß er genervt ist, denn als ich in seinem Alter war, ging es mir mit meinem Vater gerade genauso.
Ich überlege daher, mich stärker zurückzuhalten. Das Problem ist nur, daß die Musikschule zur Zeit 4 Wochen Pause macht, denn leider macht die Musikschule noch mehr Ferien als die Schulen. (Sonst würden die Beiträge noch teurer, heißt es, und das würde viele Eltern abschrecken...)
Wenn mein Sohn mal eine Woche falsch üben würde, könnte die Lehrerin bald korrigieren, dann wäre das nicht so schlimm. Aber 4 Wochen falsch üben...
Einmal war ich zwei Tage verreist, da hat er allein geübt, und hat mich am nächsten Tag in Erstaunen versetzt, weil er auf einmal gebrochene Dreikläge spielen konnte: G-H-D, D-Fis-A, A-Cis-E. Eigentlich sollte er auch nur zupfen, aber er wollte auch das Streichen üben, da habe ich ihn natürlich nicht gebremst. Aber dann ist das rechte Däumchen am Bogen nicht mehr krumm... Und das linke Däumchen sitzt auch nicht mehr an der richtigen Stelle, seine ganze linke Hand scheint mir zu "hampeln". Aber oft hört es sich schon wirklich gut an.
Er ist ja erst 5 Jahre alt. Wenn es nach ihm ginge, würde er auch nicht jeden Tag üben. Aber wenn wir erst mal angefangen haen, macht er auch gern mit. Auch Schulaufgaben muß man ja machen. Und ich will ihn weder über- noch unterfordern. Die Lehrerin wird er erst in zwei Wochen wiedersehen, also gibt es außer mir sonst niemanden, der korrigieren könnte. (Noch mal zur Erinnerung: ich spiele selbst Klavier, nicht Geige) Und ich möchte nicht immer wieder wochenlang aufs Üben verzichten, wenn die Musikschule zu ist.
Also, Sie sehen, ich bin verunsichert, wie stark ich eingreifen soll. Eigentlich habe ich schon ein gutes Gespür, was ihn nervt. Aber über einen falsch gehaltenen Bogen kann ich besser hinwegsehen als über eine schiefe Intonation hinweghören.
Wenn er etwas älter ist, so hoffe ich, wird er natürlich selbst die Verantwortung für sein Üben übernehmen.
Was denken Sie?
Viele Grüße
Annette
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Re:Sollen Eltern das Üben beaufsichtigen? vor 6 Jahren, 3 Monaten
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Hallo Annette,
jaja, das liebe Üben. Wie genau sollten Eltern dieses zu Hause "durchsetzen" und auf welchem Niveau.
Ersteinmal finde ich es ganz prima, dass sie sich damit so auseinandersetzen. Das ist keine Selbstverständlichkeit. Manche Eltern denken, sie schieben das Kind einmal pro Woche bei mir zur Tür hinein und meine Eingebung wird dann schon richten ... das geht natürlich nur in den seltensten Fällen.
Wenn es darum geht, ALLES gleich richtig zu machen (links und rechts) sind die kleinen etwas überfordert. Probier es einfach selbst aus: Nimm die Geige und mache alles richtig. So wie die Lehrerin das gesagt hat. Ist echt schwer. Darum mein Tipp:
Konzentriere den Kleinen immer nur auf eine Sache. Wenn es auf den guten Bogenstrich ankommt, würde ich darauf auch achten und eine leichte Intonationsverschiebung verschmerzen (wenn es nicht gleich ein halber Ton war  ). Ebenso würde ich das runde Däumchen mal Däumchen sein lassen, wenn er sich gerade auf die linke Hand konzentriert und dort alles gut macht.
Das kann recht lange so gehen. Denkt man, jetzt hat ers, reißen irgendwann später wieder ein paar "Faulheitsfehler" ein. Das wird nicht ausbleiben. Hier wird der geduldige Mensch am Ende belohnt, der nicht müde wird, darauf zu achten, aberz.B. weniger auf den Bogen eingeht, wenn Doppelgriffe geübt werden sollen.
Stets auf alles zu achten, kann den Kleinen zur Verzweiflung bringen, weil irgendein Finger immer macht, was er will. Also: Immer schön Teilen und am Ende der Übezeit mal den Versuch starten, alles richtig zu machen.
Das mit eurer Musikschule ist natürlich schade und sehr merkwürdig. Aber da wird sich so schnell nichts daran ändern. Mich würde interessieren, wieviele MS so etwas auch noch tun (das ging an ALLE Mitleser) und wie die Lehrer in diesem Konzept angestellt sind.
Eine Lösung wäre hier nur die Privatinitiative. Vielleicht möchte die Lehrerin während der langen Durststrecke deinen Sohn auf privater Basis weiterunterrichten. Setzt natürlich voraus, dass Deine Familie den finanziellen Mehraufwand tragen kann und die Lehrerin damit einverstanden ist.
Allerdings dulden dies nicht alle Musikschulen ... aber: was keiner weiß, macht keinen heiß ... 
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Annette
klavierspielende Mama eines geigespielenden Sohnes
Platinum Boarder
Beiträge: 439
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Re:Sollen Eltern das Üben beaufsichtigen? vor 6 Jahren, 3 Monaten
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Hallo Mirko,
vielen Dank für die prompte Antwort!
Ja, eigentlich sehe ich das wie Sie:
"Stets auf alles zu achten, kann den Kleinen zur Verzweiflung bringen, weil irgendein Finger immer macht, was er will. " Nur zu wahr.
Und "Konzentriere den Kleinen immer nur auf eine Sache."
Es ist allerdings schon vorgekommen, daß mein Sohn (und ich) dachten, er hätte toll geübt, aber dann war die Lehrerin doch nicht zufrieden, weil sich inzwischen wieder Rhytmus-Ungenauigkeiten eingeschlichen hatten, auf die wir in der Woche weniger geachtet hatten. Dann war er frustriert, weil er nicht das Lob bekommen hatte, was er erwartete ... Seine Frustrationstoleranz ist halt auch nur die eines 5-jährigen.
Aber Sie haben Recht, erst mal muß man vor allem auf einen Aspekt achten, alles auf einmal geht nicht. Das kenne ich auch von meinem Klavier.
Am wichtigsten ist mir, daß mein Kleiner gut motiviert wird, wie schnell er Fortschritte macht, ist erst mal sekundär.
Über die "Eigeninitiative" habe ich auch schon nachgedacht, und das Thema mit der Lehrerin auch schon mal vorsichtig andiskutiert. Sie reagierte etwas verschreckt, denn die MS erlaubt ihr das nicht. (Andererseits verdienen die Lehrer natürlich auch weniger durch die ausfallende Unterrichtszeit, und das gefällt wohl keinem dort.) Wir würden gern zusätzliche Stunden bezahlen.
Ich habe das Thema dann wieder fallengelassen, weil sich unser redseliger kleiner Sohn natürlich verplappern würde, spätestens, wenn er mal im Kinderorchester mitspielt. So haben wir uns schon öfter mal mit anderen Musiklehrern der Schule unterhalten, und er plappert munter drauflos und erzählt über seine Geige, seine Lehrerin, die Tatas und Tajas, usw. Schüchtern ist er nicht, und er hat auch schon den Nachbarn erzählt, wen wir gewählt haben...
Es würde meinen Erziehungszielen widerlaufen, ihn hier zu Heimlichkeiten zu animieren, im Gegenteil, er soll immer ehrlich und offen sein. Das nimmt er auch ernst.
Aber ich werde noch mal mit der Leiterin höchstpersönlich über das Problem sprechen. Vielleicht erlaubt sie offiziell eine Ausnahme.
Nochmals vielen Dank für die guten Ratschläge
Annette
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profi
Fresh Boarder
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Re:Sollen Eltern das Üben beaufsichtigen? vor 5 Jahren, 10 Monaten
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Hallo,
diese Anfrage liegt zwar schon eine Weile zurück, aber ich habe sie erst jetzt gelesen.
Bei kleineren Schülern verwende ich gerne eine Übescheibe, wenn die Punkte, auf die es zu achten gibt
zu viel werden.
Ich unterteile eine große, runde Pappscheibe in acht "Tortenstücke" und stecke diese in eine Klarsichthülle. In der Mitte wird ein Zeiger angebracht (mit so einem Briefdings) wie bei einer Uhr. Im Unterricht schreibe ich mit einem abwaschbaren Stift in jedes Kreisachtel ein Übekriterium, z.B. auf den rechten Daumen achten, auf den ersten Finger hören, alle Striche richtig machen, Dynamik etc., es gäbe kein Ende der Liste.....
Zu Hause sollte der Schüler beim Üben den Zeiger nacheinander auf alle Felder schieben und dann das entsprechende Stückchen unter Beachtung dieses Aspektes spielen. Danach kommt ein anderer Bereich dran. Und wenn er fertig ist, hat er auf alles geachtet, nacheinander und sein Stück nicht nur einmal schnell durchgespielt. Der Unterschied ist dann in der nächsten Stunde deutlich hörbar.
Noch eine Bemerkung zu den seltsamen Methoden an dieser MS: bei uns läuft es eher umgekehrt: wir sind verpflichtet, einen ausfallenden Donnerstag nachzugeben, wir nehmen nicht alle beweglichen Ferientage in Anspruch, und wenn man in den Ferien oder am Wochenende in die Schule kommt, ist man nie allein.....
Manche Eltern setzen dieses freiwillige Engagement aber inzwischen schon voraus und stellen seltsame Forderungen.
Liebe Grüße
Uta
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adalb
Junior Boarder
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Re:Sollen Eltern das Üben beaufsichtigen? vor 5 Jahren, 10 Monaten
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Hallo Uta
Die Idee mit den Tortenstücken finde ich super. Ich werde das mal mit ein paar Schülern probieren. Allerdings habe ich jetzt schon so meine Befürchtungen. Ich hab ein paar Schüler da bin ich froh wenn die die Woche über überhaupt auf eine Sache beim Üben achten, anstatt 10 mal durchzuspielen. Aber vielleicht kann man Sie mit dieser Scheibe mehr motivieren als wenn man es nur ins Aufgabenheft schreibt.
Wie alt sind die Schüler mit denen du das machst ungefähr?
Gruß Adalbert
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Fresh Boarder
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Re:Sollen Eltern das Üben beaufsichtigen? vor 5 Jahren, 10 Monaten
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Hallo Adalbert,
die Schüler sind so zwischen fünf und neun.
Meine Erfahrungen mit dem Aufschreibheft sind genau wie bei dir. Die Schülermachen es nicht. Mit der Scheibe merken sie aber gar nicht, dass sie das Stückchen so oft üben, denn es ist ja jedes mal neu, wenn sie auf etwas anderes achten. Es funktioniert aber nicht über Monate hinweg. Aber immer mal wieder, wenn es sich gerade häuft.
Bei den Größeren schreibe ich in die Noten, welche Stelle besonders geübt werden muss (wird mit Klammern markiert) und wie oft sie jeden Tag wiederholt werden muss (bis zu 10 oder 15x). Dabei handelt es sich natürlich um kurze Stellen mit vielleicht einem schweren Lagenwechsel oder so. Denn ins Heft gucken sie ja doch nicht immer....
Gruß
Uta
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