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Musiktheorie im Unterricht - wie und wie viel? vor 2 Jahren, 4 Monaten
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Hallo an alle!
Mich würde mal interessieren, wie sehr bei Euch im Unterricht auch auf Musiktheorie eingegangen und wie diese vermittelt wird.
Warum ich frage:
Ich finde es ziemlich schade, dass mein Sohn (knapp 6 Jahre) nach einem Jahr Geigenunterricht zwar schon ziemlich gut spielen kann, aber überhaupt keinen theoretischen Hintergrund hat. Nun ist mir klar, dass das bei der Geige nicht immer einfach ist, die Theorie ist das nun mal nicht so anschaulich wie am Klavier und außerdem ist er auch noch ziemlich klein, das macht es nicht leichter. Aber ich frage mich doch immer wider, wie viel ist machbar, wie viel ist notwendig oder sinnvoll? Bei meinem Sohn haben wir z.B. nach einem halben Jahr festgestellt, dass er praktisch keine Noten lesen konnte und alles auswendig gespielt hat.  Inzwischen kann er Noten lesen, wenn auch noch nicht so flüssig (aber das wird langsam…). Die Noten benennen kann er – abgesehen von den leeren Saiten – allerdings nicht, „c“ ist für ihn nur „zweiter Finger tief auf A“. Er kennt die Notenwerte, weiß also wie viele Schläge welche Note hat, kennt aber nicht den Sinn von Taktstrichen und –arten. Wir haben das Schulwerk „Susi und Eddi“, hier wird auch nur aufs Nötigste auf Theorie eingegangen und auch nichts wiederholt, außer ein paar Testfragen ab und an, sonst keine schriftlichen Aufgaben oder so. Wie ist das bei anderen Geigenschulen?
Um noch mal auf das Klavier zurückzukommen: Mein anderer Sohn (7 Jahre) spielt - ebenfalls seit einem Jahr - Klavier. Wie viel Theorie ihm im Gegensatz zu seinem geigenden Bruder schon vermittelt wurde verblüfft mich immer wieder. Das fängt schon mit seinem Lehrbuch „Klavier spielen mit der Maus“ an: Zu fast jedem Stück gibt es praktische und schriftliche Aufgaben wie z.B. Taktstriche, Noten oder Pausenwerte ergänzen, Intervalle erkennen, transponieren, komponieren und so weiter. Er hat immer auch schriftliche Hausaufgaben auf und weiß nicht nur, was Auf- und Nachtakt sind, sondern auch warum und wann sie verwendet werden und erkennt spielerisch in seinen Stücken große und kleine Terzen sowie Dur und Moll.
Um den Geigenunterricht ein wenig mit Theorie anzureichern habe ich das Heft „Notenrätsel für Violinanfänger“ im Doblinger-Verlag gefunden. Das sind allerlei einfache Aufgaben zum Thema Noten erkennen, benennen und schreiben, improvisieren, Ganz- und Halbtonschritte, Taktarten, Oktaven, Stricharten, Dur und Moll und so weiter. Das scheint mir eine gute Ergänzung zu unserer Geigenschule zu sein und ist sehr niedlich aufgemacht. Kennt das jemand von Euch und kann mir von seinen Erfahrungen berichten? Ich werde es unserem Lehrer demnächst mal vorstellen und ihn fragen, ob wir das nicht mit in den Unterricht einbeziehen wollen.
Habt Ihr sonst noch Tipps für mich? Wie wird bei Euch Theorie vermittelt und wie viel?
Vielen Dank für Eure Hilfe!
Liebe Grüße
Annika
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Annette
klavierspielende Mama eines geigespielenden Sohnes
Platinum Boarder
Beiträge: 439
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Aw: Musiktheorie im Unterricht - wie und wie viel? vor 2 Jahren, 4 Monaten
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Hallo Annika,
mein Sohn hatte bisher zwei Lehrerinnen, die sehr unterschiedlich unterrichten und auch sonst sehr unterschiedlich sind. Aber beide sagen, daß die Geigenstunde nicht für den Theorieunterricht da ist. Dafür sollte es extra Unterricht geben, und beide kannten das aus ihrer Kindheit auch so (stammen beide aus der früheren Sowjetunion). Sie finden es sehr schade, daß dies an unseren Musikschulen in der Regel nicht so ist.
Bei uns mache ich das so ein bißchen selbst. Notenlesen kann mein Sohn, aber er ist zu langsam im vom-Blatt-lesen. Das muß man auch extra üben. Orchesterspielen ist gut fürs Vomblatt-Spielen.
Bei Klavierunterricht ergibt sich Theorie ziemlich einfach nebenbei, einfach weil das Klavier mehrstimmig ist und vor allem auch, weil nichts intuitiver ist als eine Klaviertastatur. So kommt es, daß mehr Klavierlehrer als Geigenlehrer auch Theorie unterrichten. Bei mir war das auch so, mein Klavierlehrer hat zu den Fingerübungen auch immer Kadenzen, also Harmoniefolgen aufgegeben und mir so nach und nach viel Harmonielehre beigebracht. So ein bißchen färbe ich davon auf Sohnemann ab, aber wir haben keine Eile. Er kennt die Intervalle, viele Tonarten, einige Dreiklänge und Umkehrungen, und rudimentär auch die Funktionen Tonika und Dominante. Er ist auch sehr gut im Hören, also "Töne raten". Das macht er aber eher absolut und nicht aufgrund von Intervallen.
Theorieunterricht ist mit Geige viel schwieriger, und die Zeit in der Stunde ist knapp. Mir ist es auch lieber, wenn die Geigenlehrerin am Eigentlichen arbeitet. In Konservatorien gibt es dagegen einiges an Begleitunterricht, im Gegensatz zu den normalen Musikschulen.
Dein Sohn ist ja noch klein, später kann er das immer noch recht schnell lernen, wenn er will.
Viele Grüße
Annette
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Aw: Musiktheorie im Unterricht - wie und wie viel? vor 2 Jahren, 4 Monaten
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Hallo Annette,
vielen Dank für Deine Antwort, die mich *mal wieder* sehr beruhigt.
Ja, Du hast recht, die kurze Zeit im Unterricht ist eigentlich zu kostbar, um da auch noch Theorie einzubringen. Und es ist ja auch wirklich nicht so einfach... . Ich will ja auch gar nicht, dass mein Sohn überragende theoretische Kenntnisse aufbaut  , aber ein guter Mittelweg, so dass er wenigstens ein bisschen was weiß, das wäre schon nicht schlecht - so in etwa, wie Du das bei Deinem Sohn beschreibst.
Ich denke, meine Kenntnisse und Fähigkeiten sollten ausreichen, um ihm zumindest mal die grundsätzlichen Dinge wie Notennamen, den Sinn von Taktstrichen und Taktarten beizubringen. Er hat vorhin das Notenrätsel-Heft gesehen und wollte gleich loslegen. Ich werde mal schauen, ob wir ihn einfach spielerisch ein bisschen in die richtige Richtung bringen können.
Mein Sohn hat jetzt auch angefangen in einem Kinderstreichorchester zu spielen und da rächt es sich auch, dass er so unsicher im Notenlesen ist. Die anderen spielen die neuen Stücke so locker vom Blatt... . Er hat halt auch Schwierigkeiten, wieder reinzufinden, wenn er mal rausgeflogen ist, weil er die Stellen in den Noten nicht so schnell wiederfindet. Da mache mir noch keine Gedanken, er ist einfach noch sehr klein, aber vielleicht überzeugen ihn diese Erfahrungen von der Notwendigkeit des Notenlesens.
Im Orchester machen sie bei uns übrigens sehr viele Spielchen mit Rhythmusübungen und so, das finde ich super. Mein Sohn ist dadurch schon nach kurzer Zeit viel sicherer in rhythmischen Dingen und Tempo geworden.
Trotzdem auch noch mal die Frage an die anderen: Wie haltet Ihr es mit der Theorie? Wie viel ist notwendig und sinnvoll? Und wie vermittelt Ihr das?
Ich bin gespannt...
Annika
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Etuede
Fresh Boarder
Beiträge: 10
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Aw: Musiktheorie im Unterricht - wie und wie viel? vor 2 Jahren, 4 Monaten
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Meine kleinen Schüler lernen die Theorie mit MIT MUSIK KENN ICH Mich Aus von Rodolf Nikrin(Schott VERLAG).Darin wird viel Eigenarbeit verlangt und meine Schüler sind dazu gerne bereit.
Etuede
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Aw: Musiktheorie im Unterricht - wie und wie viel? vor 2 Jahren, 4 Monaten
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Ich setze da sehr auf bildliche Darstellung: in dem Raum, in dem geübt, wird hängen verschiedene Bilder:
zum Notenlesen z.B. eine einoktavige Klaviertastatur mit darauf geschriebenen Notennamen (ein computerausdruck von Web-Seiten der Schulmusiklehrer - übrigens eine Fundgrube für allerlei!!)und passend darunter plazierter Darstellung der Noten in Notenlinien.
Inzwischen hängt auch der Quintenzirkel, denn nichts ist einleuchtender als verfolgen zu können, mit welcher Systematik die Tonarten aufeinander aufbauen.
Außerdem steht dort auch ein Keyboard, auf dem sie inzwischen zusätzlich Klavier lernt (dein kleinerer Sohn scheint auch sehr fit zu sein, so sollte er auch unbedingt zusätzlich die Möglichkeit (ich empfehle ab etwa 8 Jahren)bekommen Klavierspielen zu lernen, das hilft immer visuell etwas theoretisches zu erklären-
Rythmische Sachen haben wir kaum hängen, nur zur Triole (z.B. 3 achtel auf einen (viertel-) Schlag hat sie selbst damals ein Bild gemalt (eine Banane auf der drei Herznoten stehen, deren Notenhälse miteinander verbunden sind und darüber eigenhändig von ihr geschrieben TRIOLE)Deiner ist noch klein, aber zusammen mit dem etwas größeren könnten sie sicher schon ordentliche Plakate malen!)
Selbstgemalt hat sie auch ein Notenbild zur B-Dur Tonleiter, schön bunt mit dicken Filzstiften.
Auch zur Violintechnik habe ich Bilder: aus dem Fiedelmax gibt es z.B. ein schönes Bild von einem Zwerg, der auf dem Handteller der linken Hand sich befindet und nicht zerdrückt werden möchte.
oder sie selbst hat ein Schiff gemalt, das den Bewegungsablauf des Spiccatos symbolisiert.
für kleinere ist die Webseite notenmax auch ganz nett:
notenmax.de/#/notennamen
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Letzte Änderung: 26.09.2009 09:46 von Ines.
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shoot for the moon ... even if you miss you will land among the stars (Studentenweisheit)
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Aw: Musiktheorie im Unterricht - wie und wie viel? vor 2 Jahren, 4 Monaten
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Danke für die vielen Tipps!
Da wird sicher auch etwas für uns dabei sein... . Ich denke, wir werden es mit einfach theoretischen Aufgaben (Noten malen, Takte ergänzen etc.) ausprobieren und dann werde ich sehen, woran Sohni Spaß hat und wie wir weitermachen. Visualisieren ist sicher immer am besten, gerade bei so Kleinen.
Das Klavier hilft uns jetzt schon, es ist einfach so wunderbar anschaulich. Mein Sohn versucht jedes Stück, das er auf der Geige spielt, auch immer am Klavier nachzuspielen. Wir haben ihm zur Orientierung einfach die leeren Saiten der Geige auf der Klaviatur markiert (so hat auch gleich die richtige Tonlage). Er hat richtig Spaß daran und ich freue mich, dass er auf diese Weise zusätzlich übt.
Ich habe auch aus unseren Susi-und-Eddi-Bänden alle Theorieseiten kopiert und thematisch sortiert in einen Ordner getan, darin blättern wir gemeinsam gelegentlich. Das hilft auch, weil mein Sohn doch viele Dinge, die er nur einmal in einem Stück kennengelernt hat, wieder vergisst. Und selbst, wenn er bei manchen Dingen, weiß, was sie bedeuten, kennt er die Namen dazu nicht (Beispiel: Auf- und Abstrich sind für ihn nur "am Frosch" und "an der Spitze").
Ich denke, wenn wir begelitend zum Unterricht immer mal wieder ein bisschen Theorie einstreuen ohn zu übertreiben kann das nur hilfreich sein.
So, wir haben heute ein Schülervorspiel, ich berichte Euch dann davon...
Liebe Grüße
Annika
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