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Welches Vibrato?
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THEMA: Welches Vibrato?
#238
Sasis
Junior Boarder
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Welches Vibrato? vor 5 Jahren, 10 Monaten Karma: 1
Hallo!
Ich wollte eure Meinung zu den verschiedenen Vibrati - und welche man zuerst lernen sollte, als Anfänger - hören.
Armvibrato, Hand(gelenk)vibrato oder Fingervibrato?
(Von den Kombinationen verschiedener Vibrati rede ich noch gar nicht... )
Oder gibts überhaupt andere Vibrati?
Wie schwierig sind die Vibrati, welches ist am einfachsten, welches am schwersten?
Ich wäre froh, wenn ihr mir helfen könntet, denn ich hab da absolut keine Ahnung ^^

Danke, liebe Grüße,
Sasis
 
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#239
malbrecht
Moderator
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137099377 Geschlecht: männlich lehrsaiten.de(r) Ort: Rövershagen Geburtstag: 17.01
Re:Welches Vibrato? vor 5 Jahren, 10 Monaten Karma: 10
Sasis schrieb:
Ich wollte eure Meinung zu den verschiedenen Vibrati - und welche man zuerst lernen sollte, als Anfänger - hören.
Armvibrato, Hand(gelenk)vibrato oder Fingervibrato?


Hallo Sasis,

ich kenne auch nur die 3 Vibratoarten und die Verbindungen dieser. In meinem Lieblingstechnik Buch, dem "Galamian - Grundlagen und Methoden des Violinspiels", ist auch nur von diesen 3 Vibrati die Rede.

Wie schwierig sind die Vibrati, welches ist am einfachsten, welches am schwersten?

Einfach - schwer .... Ist irgendwie alles nicht so einfach, würde ich sagen. Ich mache folgendes: Ich lasse den Schüler mal an eine Tür klopfen und beobachte so sein natürliches Bewegungsmuster. Es gibt welche, die klopfen eher aus dem Handgelenk und andere sind genau dort recht steif und schwingen eher aus dem Arm. Dementsprechend setze ich das Vibrato dann auch an. Das Ziel sollte natürlich am Ende sein, beides zu beherrschen, aber so beginne ich meistens.
Krieg also erstmal deinen natürlichen Bewegungsimpuls heraus und fange damit an. Ich erinnere mich, dass Du recht spät mit Geige begonnen hast - es könnte also etwas kompliziert werden.
Es gibt Leute, die rollen mit der Fingerspitze über die Saite, andere produzieren das Vibrato durch strecken und Beugen des ersten Fingergliedes ....
Das ist aus der Ferne alles schwer zu beschreiben. Es ist kompliziert genug, wenn der Schüler vor einem steht. Ich denke, da musst Du Dich auf Deinen Lehrer verlassen und darauf vertrauen, dass er Dir den rechten Weg weist.

Eine "einzige" oder "die wahre" Art zu vibrieren kann ich Dir nicht nennen, weil es die nicht gibt. Ist man gut, beherrscht man alle Arten, andere sind froh, auf EINE ihnen genehme Art zu vibrieren. Manche lernen es nie vernünftig
 
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#255
bro
Expert Boarder
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Re:Welches Vibrato? vor 5 Jahren, 10 Monaten Karma: 9
Hallo Sasis,

ich persönlich schätze das Armvibrato am meisten und meine Schüler fangen in der Regel damit an. Mir gefällt am Armvibrato dass es etwas kerniger ist und dass die Bewegung aus dem ganzen Arm kommt. Ich gehe so vor: Man macht - ohne Geige -mit der linken Hand eine Faust und schüttelt den Arm, als wollte man jemandem drohen. Nun mit Geige: Das Armvibrato ist eigentlich nur ein Lagenwechsel nach unten, der aber vom Finger auf der Saite verhindert wird. Also den Arm wie beim Lagenwechsel abwärts bewegen, ungefähr so als wollte man die Geige abnehmen. Dabei wird das Handgelenk nach außen gebogen, die ganze Sache spannt sich wie eine Feder. Dann wieder locker lassen, und die Hand löst sich wieder in ihre normale Position. Also: Die Bewegung zur Schnecke hin ist aktiv, das Zurückschwingen passiv, es fühlt sich so ähnlich an als wenn man einen Punching ball (dieses Trainingsgerät der Boxer) anboxt und der schwingt wieder zurück. Das ganze funktioniert am besten, wenn das linke Handgelenk sowieso schon sehr gut aufgestellt ist, also mindestens gerade, besser noch etwas nach außen (zur Schnecke) gebeugt.
Meine Schüler sollen ihren linken Daumen schräg unter den Hals legen, dabei ist das letzte Daumengelenk durchgedrückt, diese Haltung hilft das Handgelenk zu stabilisieren. Es geht aber auch mit anderen Daumenstellungen.
Wichtig wäre auch noch, dass der linke Ellenbogen nicht zu weit innen ist, damit die Stoßbewegung in Richtung der Saiten verläuft, sonst wackelt die Geige von links nach rechts.
Wenn das so ungefähr funktioniert, würde ich einen Würfel nehmen und würfeln. Dann so viele Vibratoschläge auf einen Bogenstrich, wie der Würfel anzeigt. (mit dem ersten oder zweiten Finger geht es am besten, wenn du mit der Hand gegen die Schnecke krachst, einfach in eine höhere Lage gehen). Dies ist die Vorstufe des Vibratos, sie heißt Wobble, und so klingt sie auch. Der nächste Schritt wäre, den Wobble an einem Stück mit schön vielen langen Noten auszuprobieren, jede Note bekommt dann so viele Vibratoschläge, wie sie lang ist, also eine halbe Note bekommt zwei Wobbles, eine ganze Note vier, eine Viertelnote einen...
Dann irgendwann allmählich beschleunigen, aber Achtung, dass das Vibrato nicht zu schnell wird. Allgemein gilt: je langsamer das Vibrato ist, desto kleiner sollte die Amplitude sein.
Ich finde, es macht dabei nichts, wenn die Geige etwas wackelt, das verleiht dem Vibrato noch eine zusätzliche Qualität, der Ton wird nicht nur höher und tiefer, sondern auch lauter und leiser, so ähnlich wie das Vibrato bei den Querflöten. Ich spiele ohne Stütze, habe aber einen ziemlich stark ausgehöhlten Kinnhalter, (Modell Genf) so dass mein Kieferknochen gut einhaken kann. Deswegen rutscht mir die Geige beim Vibrato nicht weg.
Wie du siehst, ist das Vibrato für mich keine sehr lockere, sondern mehr eine sportliche Angelegenheit.
Wenn es zu fest wird, empfehle ich folgende Übung von Oistrach:
Man setzt den Zeigefinger sehr fest aufs Griffbrett und drückt so, dass das letzte Gelenk durchkracht und das letzte Fingerglied flach auf der Saite liegt. Nun wieder steil aufstellen, verbunden mit einem kleinen Lagenwechsel, so dass der Finger ungefähr einen Halbton höher steht. Dann wieder feste drücken bis der Finger wieder durchkracht und wieder aufstellen, und so weiter, bis ungefähr zur vierten Lage. Man kann das mit allen Fingern machen, allerdings mit dem vierten Finger ist es etwas schwierig...
Diese Übung lockert das oberste Fingergelenk, dann geht das Vibrato viel leichter. Man kann das natürlich auch ohne Geige üben, indem man den mit Zeigefinger und Daumen einen Kreis bildet, dann stark drückt und das letzte Zeigefingergelenk durchkrachen lässt. Entsprechend mit dem zweiten Finger und Daumen, etc.
Das Handgelenkvibrato verwende ich nur gelegentlich, es ist etwas weicher, fühlt sich für mich etwas nostalgisch an.
Ich halte nichts von Galamians Fingervibrato und schon garnichts von seinem Fingerspitzenvibrato, vielmehr sehe ich es so, dass das Arm oder auch Handvibrato eben eine Bewegung des Armes oder der Hand ist, dabei sollte man die Finger beliebig wechseln können, also es gibt keinen Grund während eines Laufes jeden Ton einzeln anzuvibrieren, statt dessen geht das Vibrato im Arm bzw in der Hand einfach durch, unabhängig davon, was die Finger machen. Dafür gibt es auch spezielle Übungen, aber das ist für dich glaube ich noch nicht so aktuell.
Ich wünsche viel wobbeliges Vergnügen,
bro
 
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#257
Sasis
Junior Boarder
Beiträge: 36
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Re:Welches Vibrato? vor 5 Jahren, 10 Monaten Karma: 1
Hallo malbrecht, Hallo bro!
Vielen Dank für eure Mühe!

@ malbrecht: Wie ichs zuerst einfach so ausprobiert habe, bevor ich noch einen Unterschied zwischen den Vibrati gemacht habe, hatte ich ein Handgelenkvibrato. Weiß nicht, ist (für mich) viel einfacher als das Armvibrato.

Und @ bro: die ausführliche Beschreibung ist wirklich hilfreich! Vielen Dank! ich weiß gar nicht, wie ich mich bedanken soll...
Ich werds so auf jeden Fall mal ausprobieren.


liebe Grüße an euch beide,
Sasis
 
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#2129
Ines
geigende Mama mit geigendem Töchterchen
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Beiträge: 203
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Geschlecht: weiblich Ort: Mittelmeer
Aw: Re:Welches Vibrato? vor 3 Jahren, 1 Monat Karma: 2
Ich hatte mir vor langer Zeit den Beitrag von bro ausgedruckt und jetzt mal wieder gelesen. Ich kann auch nur noch mal auf die hier so präzis dargestellte Methode für das Armvibrato hinweisen.

Bei meiner Tochter sehe ich, dass z.B. der Daumen genau diesen Weg von allein geht, d.h. wird vibriert, so rutscht er unter die Geige und zeigt zur Schnecke und drückt gleichzeitig ein bisschen durch. Sie tut dies von allein, da sie eigentlich noch in der Anfangsphase des Vibratos ist, genauer des Armvibratos, das sie über den Lagenwechsel kennengelernt hat. Das will sagen, so wie bei bro beschrieben ist es eine natürliche Art, den Daumen zu plazieren!!

Und zum Tipp nach Oystrach die Fingergelenke "durchkrachen" zu lassen, auch dies eine natürliche, völlig spannungslose Art zu vibrieren, ohne irgendetwas zu überanstrengen. Ich hatte mich schon immer gewundert, warum manche Geiger ihre Finger beim Vibrieren fast gerade in Richtung Griffbrett strecken und doch vibrieren, dies ist das Geheimnis, "durchkrachen". Bei gleichzeitiger Armbewegung nach hinten ( zur Schnecke) ergibt sich ein voluminöses Vibrato.

Da letzteres eigentlich ein Aha-Erlebnis zufälliger Art beim Üben war und ich durch Zufall den obigen Artikel danach las, fiel es mir Schuppen von den Augen.

Andererseits sagt dieses Aha-Erlebnis auch, wie langsam sich das Vibrato eigentlich erst mit der Zeit entwickelt, und zwar bei jedem persönlich anders. (ich habe mit dem Vibrato vor etwa 9 Monaten angefangen)

Also nochmal ausdrücklichen Dank an bro!!!! (Dies geschieht sicher im Namen von vielen (passiven) Lesern)

lg Ines
 
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