Annette
klavierspielende Mama eines geigespielenden Sohnes
Platinum Boarder
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Bogen kantet vor 3 Jahren, 11 Monaten
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Hallo,
jetzt habe ich in der Abteilung "linke Hand" ein Foto hochgeladen, auf dem mein Sohn es gerade mal sehr schön macht.
Dafür zeige ich hier jetzt ein Problem mit der rechten Hand: seit Wochen kantet er den Bogen. Wenn ich laut rufe "nicht kanten", wird es kurzfristig besser, aber bald macht er es wieder. Er hat theoretisch schon kapiert, daß er es nicht soll, aber es hat sich so eingeschliffen, und es verdirbt auch etwas die Stimmung beim Üben, wenn ich zu streng werde. Mal ist es zwar besser, am am Tag drauf wieder ganz schlecht. Früher hat er das nie gemacht.
Wie kann man so eine dumme Angewohnheit wieder abgewöhnen?
Grüße
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bro
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Re:Bogen kantet vor 3 Jahren, 11 Monaten
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Hallo,
Ich vermute, dass es mit seinem Daumen zu tun hat. Könnte es sein, dass er den Daumen durchdrückt und seitlich gegen die Stange presst? Die Kinder schätzen es, wenn sie mit der Fingerbeere des Daumens die Stange berühren, weil man da mehr Nerven hat und das gibt ein sichereres Gefühl. Manche stecken dafür den Daumen unter die Stange (so dass er an der anderen Seite wieder herausguckt), andere drücken den Daumen durch und pressen die Daumenbeere seitlich gegen die Stange.
Eigentlich sollte aber der Daumen mit der dem Mittelfinger zugewandten Ecke seiner Spitze an die Schräge der Stange kommen (zwischen Frosch und Daumenleder). Wichtig dafür ist, dass hier der Fingernagel sehr kurz ist, sonst rutscht man auf dem Nagel ab. Es ist für Kinder nicht so leicht, weil man eben an dieser Stelle nicht so viele Nerven hat und deswegen ein unsicheres Gefühl, aber das ist nur eine Sinnestäuschung.
Außerdem wäre es langfristig sicher besser, wenn die Grundgelenke der Finger eher grade wären und dafür die nächsten Gelenke gebogen, so dass der Handrücken flach über der Bogenstange liegt.
Das ist allerdings motorisch nicht so leicht und deswegen drücke ich da bei meinen kleinen Schülern schonmal beide Augen zu, ich lasse sie sowieso meist mit dem "Suzukigriff" spielen, also den Daumen unter den Frosch, wo er einen satteren Halt hat. Bogenhaltungsprobleme kann man meiner Ansicht nach besser mit Teenagern lösen...
Viele Grüße,
Bro
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Annette
klavierspielende Mama eines geigespielenden Sohnes
Platinum Boarder
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Re:Bogen kantet vor 3 Jahren, 11 Monaten
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Hallo Bro,
vielen Dank für die sehr interessante Antwort!  Das werde ich jetzt mal genau beobachten.
Über Feinheiten wie Nerven im Daumen habe ich mir bisher keine Gedanken gemacht, aber das kann gut sein, daß so etwas dahintersteckt. Und welche Gelenke eher gerade und welche eher flexibel sein soll! Die Lehrerin legt Wert darauf, daß sein Handgelenk nicht starr, sondern beweglich ist. Und er soll sich vorstellen, daß sein Ellbogen ein Buchrücken sei, den er auf- und zuklappen kann. Damit hatten wir eine Weile viel Streß, denn er hatte sein Handgelenk ziemlich verkrampft. Das klappt jetzt viel besser.
Heute haben wir schon geübt, und zur Abwechslung hatten wir das Problem fast gar nicht. Aber das ist immer so am Wochenende, wenn keine Schule ist und wir schon vormittags üben, dann klappt alles viel besser. Meistens üben wir am Wochenende auch in zwei kleineren Portionen. Beim zweiten Mal ist es dann besonders gut. Heute hatte er einen richtig schönen Ton, es hat gar nicht geknarrt, gequietscht usw. Wenn aber vorher schon Schule und Hausaufgaben waren, ist es meistens schlechter.
Jedenfalls werde ich mir seinen Daumen und seine Fingergelenke ganz genau anschauen.
Grüße
Anentte
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bro
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Re:Bogen kantet vor 3 Jahren, 11 Monaten
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Hallo Annette,
von ferne kann man es ja schlecht beurteilen, aber ich könnte mir vorstellen, dass die Klangprobleme Deines Sohnes auch damit zusammenhängen, dass er seinen rechten Arm allzu sehr hängen lässt. Das würde dann erklären, warum es besonders gravierend ist, wenn er müde ist. Es ist aber auch eine Frage der Technik, die man verwendet, vielleicht bevorzugt seine Lehrerin einen tiefen rechten Arm. Dann wäre vielleicht eine Lösung, einfach nicht so viel am Frosch zu spielen, denn dort ist es mit einem tiefen rechten Arm besonders schwierig ohne Kratzen zu spielen. "I just avoid those scratchy areas" sagte einst eine berühmte Geigerin (deren Namen ich leider vergessen habe, sie kommt in dem schönen Buch von Samuel und Sarah Applebaum vor: "The way they play")
Viele Grüße, auch an den jungen Geigerkollegen,
Bro
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profi
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Re:Bogen kantet vor 3 Jahren, 11 Monaten
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Hallo Anette,
ich habe auch Schüler, die sich solche "Unarten" angewöhnen. Alles gesagte spielt zusammen eine Rolle.
Erstmal der tiefe Ellenbogen, wobei der ja am Frosch auch nicht zu hoch sein darf, dann muss das Handgelenk muss dann eher in die hohe Position. Ist das Kanten an der Spitze besonders ausgeprägt? Viele Kinder lassen den Arm einfach hängen, wenn sie zur Spitze streichen. Der Ellenbogen muss aber eine kleine Ausgleichsbewegung nach obem machen indem sich der Arm etwas eindreht (Pronation). Ist natürlich schwer, das einem kleinen Kind zu erzählen. Iczh tippe den Ellenbogen auf dem Weg zur Spitze immer mal von unten an, das hilft oft zur Bewusstmachung.
Auch noch eine Übung hierzu: im Abstrich den Bogen "verlängern" indem er über die Saite hinaus streicht und die Spitze in der linken Armbeuge ablegt. Dann den Bogen wieder herausheben und einen Aufstrich machen, den bogen wieder "verlängern" und nach oben über die Saite hinaus streichen bis das Rechte Handgelenk die Nase berührt.
Der Daumen spielt natürlich auch eine gewaltige Rolle. Wenn er durchgerstreckt wird, verdreht sich gerne der Bogen (muss aber nicht sein!).
Zur Sensibilisierung eine Übung: lange Töne spielen auf der leeren Saite, die Bogenstange dabei ständig mit dem Daumen um die eigene Achse drehen (= zwirbeln), Lautstärke dabei beibehalten.
Auch dem kleinen Finger gebührt verstärkte Aufmerksamkeit. Er sollte rund oben auf der Bogenstange stehen, eigentlich eher auf der Innenseite der Stange angelehnt sein.
Dazu auch noch eine Übung (ist aber etwas schwer, vielleicht): den Bogen ganz am Frosch auf eine Saite legen (D-Saite), mit dem Armgewicht "draufkleben", Fingerstellung kontrollieren. Nun vorsichtig den Daumen wegnehmen. Bleiben der Bogen und die Finger an ihrem Platz, dann ist die Haltung optimal.
Und noch eine Übung für's Handgelenk: Der Bogen macht eine Flugreise vom Frosch zur Mitte und zur Spitze (dabei den Bogen am Schwerpunkt halten), oder gleich von der Spitze zum Frosch, vielleicht auch noch auf eien andere Saite? (Dann den rechten Ellenbogen wieder mitnehmen!) usw.
So, das war's erstmal
Gruß
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Annette
klavierspielende Mama eines geigespielenden Sohnes
Platinum Boarder
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Re:Bogen kantet vor 3 Jahren, 11 Monaten
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Hallo Bro und Profi,
ganz herzlichen Dank für noch zwei superinteressante Antworten!
Darin ist so viel Stoff enthalten, das muß ich erst mal verarbeiten! Zuerst mal so viel:
Ja, die Lehrerin will einen tiefen Arm und ein flexibles Handgelenk. Und ja, wenn der Burschi müde ist, läßt er alles hängen, nicht nur den Arm, sondern auch die Geige
Und er streckt tatsächlich den Daumen gegen die Stange, anstatt ihn rund zu machen.
Insgesamt ist alles noch recht wackelig. Es sind schon eine Menge Aspekte, auf die wir so achten. Ich werde mal mit ihm als erstes auf den Daumen achten. Und ich will ihn auch nicht überfordern.
Ich muß auch aufpassen, daß ich nciht anfange, der Lehrerin ins Handwerk zu pfuschen. Jedenfalls werde ich alle Eure Antworten immer mal wieder durchlesen, da haben wir noch Stoff für lange
Viele Grüße
Annette
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