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Wieviel Perfektion ist gut??? vor 3 Jahren, 11 Monaten
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Nachdem unser häusliches Üben heute wieder mal vollkommen in einem Desaster geendet hat, stelle ich mir gerade die Frage, woran das liegt.
Es geht um meine älteste Tochter (7).
Wir üben im Moment ca. 1 Stunde täglich, mitunter auch weniger, selten mehr. Sie möchte unbedingt, daß ich mit ihr gemeinsam übe, lässt aber kaum Kritik zu. Wenn ich allerdings nichts sage und nur zuhöre, möchte sie das auch nicht.
Nun ist es aber so, daß gerade bei den Stücken und Etüden mit ihr kaum wirklich grobe Dinge zu üben sind, d.h. Intonation, Lagenwechsel etc. stellen so gut wie keine Probleme dar. Sie beherrscht die Stücke in der Regel sehr schnell, die Arbeit und unsere Probleme gehen aber dann los. Wir arbeiten in der Regel an minimalen Dingen, wie Kontaktstellenwechsel, Tonnuancen, Feinheiten bei der Dynamik etc. Das ist natürlich für eine 7-jährige sehr ermüdend und auch nicht immer einsehbar, verstehe ich irgendwie. Aber man sollte doch schon das Beste aus einem Stück herausholen, oder? Sie hat es ja drauf, wenn sie nur wirklich möchte...
Manchmal frage ich mich dann allerdings, ob es für sie vielleicht doch günstiger wäre, wenn sie technisch anspruchsvollere Stücke spielen würde, die mehr Grobarbeit verlangen.
Ich weiß es auch nicht. Auf jeden Fall ist sie beim Ersteinüben von Stücken viel motivierter und klemmt sich freiwillig stark dahinter.
Auf der anderen Seite sollte man sie aber ja auch zum genauen Üben uns anspruchsvollen musizieren erziehen, oder?
Sie ist ja eigentlich auch eine kleine Perfektionistin, die sich am Ende ärgern würde, falls ihr ein Stück nicht richtig gelingen würde.
Aber die Arbeit und der Ärger bis zur "Vollendung" machen mich noch wahnsinnig. Mir graut schon jeden Tag vor diesen endlosen Auseinandersetzungen und ihren üblen Launen beim Üben.
Im Moment spielt sie Vivaldi G-Dur (op.3/3), da ist eben sehr viel Feinarbeit notwendig. Die Noten an sich hat sie fast vom Blatt gespielt, aber es gehört ja noch viel mehr dazu.
Was mache ich denn nun mit diesem genervten Wesen (und der mindestens genauso genervten Mutter)
Gruß,
Wusel
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Liebe Grüße, Wusel
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Re:Wieviel Perfektion ist gut??? vor 3 Jahren, 11 Monaten
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Hallo Wusel,
irgendwie habe ich mich in deiner Beschreibung wieder erkannt und ich kann gut nachvollziehen, dass deine Tochter (noch) keinen Sinn darin sieht, ein Stück zu gestalten. Ich selbst war schon einiges älter (ich habe erst mit knapp 11 Jahren mit dem Geigenspiel begonnen) und trotzdem wollte ich nie einsehen, ein Stück wochenlang zu üben, wenn ich es doch nach einer Woche rhythmisch und intonationsmäßig spielen konnte. Habe ich dann kein neues Stück bekommen, habe ich meistens gar nicht geübt, was mein Lehrer wohl auch gemerkt hat. So hat er mir dann häufig ein neues Stück gegeben, an dem ich technisch zu knabbern hatte, sodass der Übeanreiz wieder gegeben war. Wenn ich dann sowieso am Üben war, übte ich interessanterweise auch am alten Stück weiter (Dynamik etc.)
Vielleicht wäre so ein ähnliches Modell auch eine Idee für deine Tochter. Übt sie denn momentan nur das Vivaldi-Konzert oder noch etwas anderes (Etüde oder so)? Letztendlich muss natürlich der/die LehrerIn entscheiden, ob er/sie es als sinnvoll empfindet mehrere Stücke parallel zu üben, aber vielleicht wäre es eine Möglichkeit, damit das Üben nicht nur aus Feinarbeit besteht. Schließlich ist diese Feinarbeit wirklich anstrengend und eine Stunde ist ja für ein 7jähriges Kind schon ganz schon lang, sodass ein bisschen Abwechslung vielleicht nicht schlecht wäre.
Das waren jetzt nur mal so meine Gedanken und eigenen Erfahrungen zu dem Thema, vielleicht hilft es ja ein wenig weiter...
Viele Grüße, Kathrin
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bro
Senior Boarder
Beiträge: 78
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Re:Wieviel Perfektion ist gut??? vor 3 Jahren, 11 Monaten
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Hallo,
ich kann das nur bestätigen. Meine Schüler üben extrem selten länger als drei Wochen an einem Stück, und die Kleinen bekommen sowieso meist jede Woche was neues. In dem Alter - und bis weit ins Teenagerleben hinein - interessieren sie sich mehr für das Sportliche, und weniger für klangliche Feinheiten.
Statt dessen greife ich mir einen Aspekt heraus, den sie am aktuellen Stück lernen können, wenn das klappt, gibt's was neues. Meistens schaufel ich also massenweise Noten heran, alles Mögliche, auch viel aus dem Unterhaltungsbereich. Zum Beispiel hätte eine 7-jährige Vivaldispielerin sicher sehr viel Spaß an einem Heft mit Fiddlestücken, wie "das große Fiddlebuch" von Michael Thaut(die ältere Ausgabe ist besser als die neue). Schön sind auch "100 Solos for Violin".
Es gibt wirklich wahnsinnig viel, was nur darauf wartet, von Kindern gespielt zu werden.
Viel Vergnügen,
Bro
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Annette
klavierspielende Mama eines geigespielenden Sohnes
Platinum Boarder
Beiträge: 439
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Re:Wieviel Perfektion ist gut??? vor 3 Jahren, 11 Monaten
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Hallo Wusel,
wir sind zwar noch lange nicht bei den Feinheiten, sondern beim Groben, aber trotzdem ist es bei uns ähnlich: Sohnemann will mich aktiv dabeihaben, aber er verträgt auch nicht allzu viel Kritik. Dies ist auch ein psychologisches Problem. Mein Sohn spielt und will Lob hören als Belohnung.
Z.B. übt er zur Zeit "Guten Abend, gute Nacht" (Wiegenlied von Brahms). Rhytmus und Noten haben recht schnell geklappt, die Intonation ist im Prinzip OK, und er ist stolz wie Oskar. Auch das Zusammenspiel mit dem Klavier klappt gut. Aber manchmal kratzt, knarrt oder quietscht es, mal hier und mal da, mal weniger, mal mehr. Oft kantet er den Bogen, manchmal ist für die halbe Note nur noch ein Viertelbogen da, manchmal geht der Bogen schief, ab und zu wandert das linke Däumchen und er versucht, mit den anderen Fingern die Tonhöhe zu korrigieren usw.
Also finde ich, wir sollten weiter an dem Stück üben, damit es schöner wird. Aber je kritischer ich werde, desto stärker sinkt die Laune. Z.B. möchte ich, daß eine halbe Note "klingt" und nicht so kurz und trocken ist. Wir haben uns Bilder überlegt, wie z.B. "eine Mutter mit Kind sitzt in einem Boot, das langsam über einen schönen See gleitet, der Mond geht auf" usw. Das hilft auch kurzfristig, aber eigentlich hat er noch keine Geduld dafür.
Der Tip, immer wieder neue Sachen zu üben, ist bei so Kleinen wohl richtig. Aber manchmal möchte man ja auch ein Vorspielstück..
Hm, nicht richtig hilfreich, mein Kommentar....
Viele Grüße
Annette
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Re:Wieviel Perfektion ist gut??? vor 3 Jahren, 11 Monaten
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Ja, genauso ist es!
Sie will ja eigentlich auch richtig musizieren, will daß alles schön klingt, aber eben nicht unbedingt etwas dafür tun. Wenn es nicht so schön klingt, hört sie es ja selbst und ist dann unzufrieden. Es ist eigentlich nur die Arbeit, die dahinter steckt, was sie so verrückt macht.
Jede Woche ein neues Stück, darüber ist sie jetzt einfach hinaus. Das hatten wir als sie anfing zu spielen. Sie bekommt aber fast jede Woche eine neue Etüde. Also eine gewisse Abwechslung ist schon drin.
Ich weiß nur einfach nicht, wie ich mit diesem Frust umgehen soll...
Gruß,
Wusel
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Liebe Grüße, Wusel
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profi
Fresh Boarder
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Re:Wieviel Perfektion ist gut??? vor 3 Jahren, 11 Monaten
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hallo Wusel,
das ist wirklich sehr schwer, vorallem wenn man das Kind nicht kennt. Bei meinem Sohn sind gerade das die kleinsten Probleme. Aber bei meinen Schülern kenne ich das gut. So nach dem Motto:" Das Stück ist jetzt langweilig, ich kann ja schon alle Töne." dann hilft es vielleicht, mal einen Text völlig emotionslos vorzutragen und dann wieder spannend erzählt. Oder ein Geschichte zu der Musik ausdenken. Oder auch mal aufnehmen, wie sie es spielt und dann vergleichen, wie es nach dem Üben klingt? Oft ist das nämlich auch ein Wahrnehmungsproblem. Die Kinder "hören" innerlich, wie es klingen soll und denken, ich mach doch schon alles genau so. Dann muss man erklären, dass man es genau wie ein Schauspieler machen muss, alles übertreiben, damit es auch bis in die letzte Reihe zu erkennen ist.
Vielleicht ist ja ein hilfreicher Tip dabei (schreibt man Tip jetzt mit ein oder zwei p?  )
Gute Nerven und viel Erfolg!
Gruß
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